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der Pressemitteilung 07/2001 als WinWord-Dokument
Sensationelle Funde beim Tag der Artenvielfalt
in der "Büg" bei Eggolsheim am 8./9. Juni 2001
Über 1.500 Tier- und Pflanzenarten zählten die
mehr als 80 Expertinnen und Experten beim Tag der Artenvielfalt
in der Büg bei Eggolsheim. Mit der "Diadem-Zikade"
gelang sogar der sensationelle Erstnachweis dieser Art für
Bayern.
Die SandAchse Franken war gemeinsam mit dem Landkreis Forchheim,
dem Markt Eggolsheim, der Umweltstation Lias-Grube Eggolsheim,
der Kreisgruppe Forchheim des Bundes Naturschutz und der
Universität Erlangen und weiteren Veranstaltern einem Aufruf
des Magazines GEO gefolgt und hatte in der Büg den "Tag
der Artenvielfalt" durchgeführt. Innerhalb von 24 Stunden
durchkämmten Spezialisten zahlreicher Fachgebiete das etwa 220
ha große Gebiet der Büg bei Eggolsheim und bestimmten und
zählten alles, was sie finden konnten.
Mit Klopfschirmen, Barberfallen, Leuchteinrichtungen, Reusen,
Lupen, Ferngläsern und Sieben ausgerüstet, erfassten sie
Spinnen, Käfer, Schmetterlinge, Schnecken, Vögel, Libellen,
Amphibien, Pflanzen und vieles mehr. Taucher stiegen sogar im
Dunkeln ins kühle Nass, um auch die nachtaktiven Fische und
Krebse zu finden. Selbst kleinste Algen, Moose, Pilze und
Flechten entgingen den wachsamen Augen der Forscher nicht.
Neben zahlreichen seltenen und hoch gefährdeten Tier- und
Pflanzenarten wurden auch echte Raritäten entdeckt: Herbert
Nickel spürte die Diadem-Zikade auf, die bisher noch nie in
Bayern nachgewiesen wurde. Die nächsten Standorte dieser
Zikadenart finden sich im Norden Deutschlands und in der
Schweiz. Ein Höhepunkt war auch die Entdeckung eines
Laichplatzes der Nase, einer in Oberfranken vom Aussterben
bedrohten Fischart, die in nassen Gräben ihre Kinderstube hat.
Die erwachsene Fische leben in der Regnitz. Ihre Laichplätze
sind bislang weitgehend unbekannt. Der Käferspezialist Jürgen
Schmidl fand unter der Hundslederflechte in den offenen
Silbergrasfluren einen kaum einen halben Zentimeter großen
Käfer: Rhopalocerus clavicornis, wie der lateinische Name des
Käferchens lautet (einen deutschen Namen besitzt er nicht)
steht ebenfalls auf der Roten Liste und ist eine Charakterart
der Sandlebensräume. Für die "Büg" wurde dieser
seltene Käfer nun zum ersten Mal nachgewiesen. In der SandAchse
zwischen Bamberg und Weissenburg kommt er sonst nur noch auf dem
Erlanger Exerzierplatz vor.
Aber auch die Pflanzenkundler zeigten sich zufrieden. Sie
steuerten knapp 400 Arten zur Artenliste hinzu. Besonders
freuten sie sich über einen größeren Bestand des
Nelken-Schmielenhafers, einer kleinwüchsigen Grasart.
Nicht nur die zum Teil von Weitem angereisten Experten, auch die
Besucherinnen und Besucher waren von dem Tag der Artenvielfalt
begeistert. Matthias Hammer von der nordbayerischen
Koordinationsstelle für Fledermausschutz der Universität
Erlangen faszinierte die TeilnehmerInnen der Nachtwanderung mit
Hilfe von "Gottlieb", einer durch einen Unfall
flugunfähigen lebenden Fledermaus.
Den Forschern mal so richtig bei der Arbeit zuschauen zu
können, machte offentsichtlich den Besuchern des
Wissenschaftszeltes so richtig Spaß. Hier konnten sie auch
beobachten, wie an drei Rechnern gleichzeitig die ständig neu
eintreffenden Artenlisten gleich eingegeben und ausgewertet
wurden.
Die Kinder hatten ihren Spaß beim Basteln von Sandbildern, bei
Exkursionen und Naturerlebnisspielen.
Für die Veranstalter war der Tag der Artenvielfalt eine mehr
als gelungene Aktion. Die VertreterInnen der Trägerverbände
der SandAchse Franken, Doris Tropper, stellvertretende
Landesvorsitzende des Bundes Naturschutz (BN), Wolfram Güthler,
Geschäftsführer des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege
(DVL) und Bernd Raab, Referent für Landschaftsökologie beim
Landesbund für Vogelschutz (LBV) waren sich am Ende der Aktion
einig, dass mit dem Tag der Artenvielfalt wieder einmal der hohe
ökologische Wert der Büg demonstriert wurde. "Die
Schutzwürdigkeit des gesamten Gebietes wurde mit der erfaßten
Artenfülle eindrucksvoll dokumentiert", so Wolfram
Güthler (DVL). Die Büg spielt als Kernlebensraum und
Lieferbiotop eine zentrale Rolle bei der Entwicklung eines
Biotopverbundes für Sandlebensräume in der SandAchse Franken.
Nach den eindrucksvollen Ergebnissen des Tages der Artenvielfalt
hoffen die drei Verbände nun, dass es mit der Ausweisung des
geplanten Naturschutzgebietes "Büg" rasch voran geht,
denn der Schutz dieser einmaligen Landschaft ist angesichts
weiter voranschreitender Beeinträchtigungen durch geplanten
Sandabbau und ein Industriegebiet dringend nötig.
gez. Brigitte Weinbrecht, Projektmanagerin
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