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 Sande zogen das große Los
 (PM 11/2001)

  

 
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Text der Pressemitteilung 11/2001 als WinWord-Dokument


Sande zogen das große Los


Eine positive Bilanz zogen die Projektträger der "SandAchse Franken" ein Jahr nachdem das Projekt zum Schutz der Sandlebensräume zwischen Bamberg und Weißenburg ins Leben gerufen wurde.

Seit einem Jahr machen sich die Projektträger Bund Naturschutz in Bayern e.V., Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. und Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. gemeinsam mit sieben Landkreisen und fünf kreisfreien Städten stark für Sandlaufkäfer, Ödlandschrecke, Silbergras und all die anderen "Hungerkünstler" der Sandlebensräume.

Für den Schutz der beeindruckenden Sandlebensräume zwischen Bamberg und Weißenburg ist es "eins vor zwölf", meint Brigitte Weinbrecht, Projektmanagerin der SandAchse. Spät. aber - wie die Erfolge des Projektes im letzten Jahr hoffen lassen - nicht zu spät. Nur noch ein Prozent ihrer ursprünglichen Fläche nehmen diese Extremstandorte heute ein. Dabei sind sie unersetzlich für den Biotop- und Artenschutz, als Naherholungsgebiete und wichtige Bestandteile des Klima- und Trinkwasserschutzes.

So komplex wie die Natur ist auch das Netzwerk aus Projektakteuren der "SandAchse". Längst beschränken sich die Fürsprecher der Sandarten nicht mehr auf den ursprünglichen Kreis. Eine attraktive Internetseite, naturkundliche Wanderungen, Presseberichte, Rundfunk- und Fernsehbeiträge, Schaugärten, Vorträge, Schulungsmaterialien und Tourenvorschläge haben die Öffentlichkeit im vergangenen Jahr sensibilisiert. Kaum jemand wüßte sonst, welcher Schatz verlorenginge, wenn auch noch der letzte Rest dieser Lebensräume verschwinden würde. Veranstaltungen, wie der "Sandburgenbau-Wettbewerb" im Landkreis Forchheim oder die "Naturschutzwoche" im Naturschutzgebiet Hainberg vermittelten bereits über 2.000 Kindern spielerisch ein Gespür für die Einzigartigkeit der Sandlebensräume.

Auch direkt in den Schulen sind Silbergras und Sandlaufkäfer jetzt ein Thema. Speziell zusammengestellte Materialkisten stehen bereits heute den SchülerInnen im Landkreis Forchheim zur Verfügung. Ab dem neuen Schuljahr können LehrerInnen im gesamten Projektgebiet auch auf eine eigens entwickelte Mappe zum Thema Sand zurückgreifen. Exkursionen zu Sandbiotopen vor der Haustür bieten eine willkommene Abwechslung im Schulalltag.

Viele Mosaikteilchen zu einem Ganzen zusammenzusetzen ist ein wichtiges Ziel des Projektes. Isoliert voneinander existierende Sandflächen sollen vernetzt werden, um den Artenaustausch zu gewährleisten. Nur so ist dauerhafter Schutz möglich. Einen Biotopverbund entstehen lassen, nennen Fachleute diesen Vorgang.

Da die SandAchse Franken auch große Ballungsräume miteinbezieht ist bei der Suche nach Sandflächen die enge Zusammenarbeit mit Flächeneigentümern wie Wirtschaftsunternehmen und Kommunen gefragt. Bereits zwanzig Betriebe sowie mehrere Städte und Gemeinden gewann die SandAchse für eine sandartengerechte Gestaltung ihrer Flächen. Inspiriert vom Beispiel des Bamberger Gartenbauamtes legte das Gartenbauamt Nürnberg einen Straßenrand als Sandmagerrasen an. Bamberger Schulen schufen "Trittsteinbiotope" in Form von Sanddächern und Sandgärten. Das Klinikum am Europakanal wird seine Flächen in Zukunft extensiv pflegen und in der Stadt Fürth eine ehemalige Freileitungstrasse durch Beweidung offen gehalten werden. Mitten in den Großstädten entstehen so Wanderwege für die Sandarten. Fachvorträge der SandAchse liefern den zuständigen Behörden dabei die nötigen fachlichen Informationen.

Damit das Netz aus Sandlebensräumen möglichst dicht werden kann, sind die Fachleute bereits intensiv auf der Suche nach weiteren geeigneten Standorten. Traditionelle Bewirtschaftungsformen zu fördern und alternative Anbaumethoden zu entwickeln ist Ziel der SandAchse. Sandlebensräume sind in weiten Teilen das Ergebnis einer jahrhundertelangen extensiven Nutzung der Sandgebiete. Damit stellen sie wichtige Bestandteile unserer Kulturlandschaft dar. Wo die Landwirtschaft ausfällt, werden Flächen im Rahmen von Landschaftspflegemaßnahmen beweidet, gemäht oder es wird der Oberboden abgeschoben. So werden die Lebensräume für die Spezialisten unter den Pflanzen und Tieren offengehalten.

Auf zwei zusätzlichen Flächen können die Naturschützer bereits selbst Hand anlegen. Eine wurde im Landkreis Roth erworben, eine weitere im Landkreis Erlangen-Höchstadt gepachtet.

Wenn es um die Maßnahmen zum Schutz der Sandlebensräume geht liefern Wissenschaftler an Hoch- und Fachhochschulen zusätzlich wertvolle Beiträge. Im Rahmen von Diplom- und Doktorarbeiten werden neue Erkenntnisse gesammelt, Erfolg und Effizienz der Maßnahmen kontrolliert. Beim Symposium "Forschung und Naturschutz in Sandlebensräumen" trugen 220 Fachkundige aus ganz Deutschland ihr Wissen und ihre Meinungen zusammen und schlugen so eine Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis. Am "Tag der Artenvielfalt" in der "Büg" bei Eggolsheim fanden 80 Fachleute über 1.600 Sandarten.

Der Ideenreichtum, die strategische Vielfalt und die große Zahl der Akteure zeichnen das Projekt "SandAchse" aus. Nicht nur die Projektpartner haben das Thema ganz oben auf ihre Tagesordnung gesetzt. Naturforschende Gesellschaften und Vereine unterstützten den Sand ebenso wie engagierte Einzelpersonen, Planungsbüros und Wirtschaftsunternehmen. Einige Hochschulen stimmen Forschung und Lehre in weiten Teilen auf das Thema ab. Das erste Projektjahr ist vorbei, ein Jahr in dem wertvolle und unverzichtbare Vorbereitungen getroffen wurden, die die Akteure und Projektträger der SandAchse hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lassen. Ein gewaltiger Schritt in die richtige Richtung ist also gemacht, viele weitere werden folgen, denn an Plänen mangelt es nicht und der Freundeskreis von Silbergras und Sandlaufkäfer wird größer und größer.

gez. Brigitte Weinbrecht, Projektmanagerin