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 Titel (PM 04/2003)

  

 
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Schafbeweidung seit Jahrhunderten praktiziert -
plötzlich eine Gefahr für unser Trinkwasser?

 

Rund siebzig Fachleute aus den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft, Naturschutz und Wasserwirtschaft tagten auf Einladung des Projektes SandAchse Franken zusammen mit Schäfern in Nürnberg. Es war die erste fachübergreifende Zusammenkunft zum Thema "Schaf-Beweidung in Wasserschutzgebieten" in Bayern.

Das gewohnte Bild des Wanderschäfers, der jedes Jahr das Pegnitztal östlich des Wörther Sees mit seiner Herde aufsucht, gehört bald der Vergangenheit an. Der ganze Talraum liegt im Wasserschutzgebiet - Schutzzone II und dort ist seit der Novellierung der Trinkwasserschutzgebietsverordnung eine Beweidung generell verboten.

Schäfer Fritz Imsch, der dort seit Jahren die Flächen mit seiner Schafherde hütet, teilt damit das Schicksal vieler seiner Berufskollegen in Bayern. Einer Umfrage zufolge wurden in 11 Landkreisen bereits Schäfer aus Wasserschutzgebieten verwiesen. In 16 Landkreisen können sie dort noch hüten. Weitere Verbote stehen im Zuge von laufenden Aktualisierungen der Schutzgebietsverordnungen an.

Die strikte Verbotspraxis bereitet den Naturschützer großes Kopfzerbrechen. Für sie sind die Schäfer unersetzliche Partner in der Landschaftspflege.

Die Agentur SandAchse hat nun die Betroffenen zu einer Fachtagung nach Nürnberg eingeladen. Rund 70 Experten der Fachbereiche Gesundheits-/Verbraucherschutz, Landwirtschaft, Naturschutz und Wasserwirtschaft aus ganz Bayern waren der Einladung der SandAchse Franken ins Gewerkschaftshaus nach Nürnberg gefolgt. Auftakt der Veranstaltung bildeten sieben Fachvorträge, in denen die Sichtweisen aller Fachbereiche dargelegt wurden. Anschließend diskutierten die Fachleute über mögliche Auswege.

Wie Dipl.-Ing. (FH) Petr Mlnarik von der Agentur SandAchse in seinem einleitenden Vortrag betonte, ist die Wanderschäferei ein wichtiger Faktor für den Erhalt der Landschaft. Denn Schafe pflegen nicht nur, sie verbreiten auf ihrer Wanderschaft auch Tiere und Pflanzen, und es wird in artgerechter Haltung Fleisch produziert. Die Alternative zur Schafbeweidung wäre aus Sicht des Naturschutzes teueres Mähen mit anschließender Entsorgung des Schnittguts. Die Beweidungsverbote verhindern somit die ökologisch wie ökonomisch sinnvolle Nutzung wertvoller Lebensräume wie die Sandgebiet der SandAchse in den Talräumen von Pegnitz, Rednitz und Regnitz. Eine Sichtweise, die von Naturschutzfachleuten aus ganz Bayern geteilt wird.

Für die Schäfer reiht sich das Beweidungsverbot in eine Reihe von bürokratischen Beschränkungen, die ihnen das Wirtschaften erheblich erschweren. Herr Hofmann, Schäfereiberater beim Landwirtschaftsamt Ansbach gab den Beschränkungen eine Mitschuld am steten Rückgang der Herdenschafhaltung in Mittelfranken.

Die Gesundheits- und Wasserwirtschaftsämter begründen die Beweidungsverbote mit vorsorgendem Schutz des Trinkwassers vor mikrobiologischen Belastungen. Besonders gefürchtet wird ein gefährlicher Stamm der Coli-Bakterien, sog. enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) , der durch Schafskot übertragen wird. Deshalb sei eine strenge Handhabe des Beweidungsverbotes gerechtfertigt.

Die Beweidungsbefürworter sehen darin eine unbillige Härte und führen eine Reihe von Argumenten dagegen an. So seien die Gebiete teilweise Jahrzehnte zuvor regelmäßig beweidet worden, ohne dass die befürchteten Probleme aufgetreten seien. Wenn die Tiere außerhalb der Schutzgebiete gepfercht werden, könne die Kotabgabe im Gebiet auf ein Minimum reduziert werden. Ansteckungen von EHEC-Bakterien seien meldepflichtig und kämen nur in bestimmten Gebieten Bayerns vor. Beweidungsverbote seien dort sinnvoll, wo Schafe in Kontakt mit den gefährlichen Keimen kommen.

Bestärkt in ihrer Argumentation werden die Beweidungsbefürworter durch eine Untersuchung von 82 Trinkwassergewinnungsanlagen in Hessen. Wie Dr. Gebauer in seinem Vortrag betonte, fand sein Team keinen Zusammenhang zwischen der Beweidung der Schutzgebiete und dem Vorkommen von Coli-Bakterien im untersuchten Trinkwasser.

Am Ende der lebhaft geführten Diskussion wurde beschlossen, im Projektgebiet der SandAchse Franken konkrete Fälle zu benennen, in denen eine Beweidung trotz Verbot aus naturschutzfachlicher Sicht notwendig wäre. Die Vertreter der Wasserwirtschafts-/Gesunheitsämter haben zugesagt, jeden Einzelfall zu prüfen und gegebenenfalls Ausnahmegenehmigungen zu erteilen.

Die dauerhaft nachhaltige Nutzung der Sandgebiete ist eine von verschiedenen Strategien, die im Naturschutzgroßprojekt SandAchse Franken verfolgt werden, um die letzten vebliebenen Sandlebensräume zu erhalten und zu vernetzen. Die SandAchse ist eine Allianz aus sieben Landkreisen, fünf kreisfreien Städten und den drei Trägerverbänden Bund Naturschutz (BN), Deutscher Verband für Landschaftspflege (DVL) und Landesbund für Vogelschutz (LBV). Mehr Information über das Projekt gibt es im Internet unter www.sandachse.de.

gez.
Petr Mlnarik
Agentur SandAchse