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Schafbeweidung seit Jahrhunderten praktiziert -
plötzlich eine Gefahr für unser Trinkwasser?
Rund siebzig Fachleute aus den
Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft, Naturschutz und Wasserwirtschaft tagten auf Einladung des Projektes SandAchse
Franken zusammen mit Schäfern in Nürnberg. Es war die erste fachübergreifende Zusammenkunft zum Thema
"Schaf-Beweidung in Wasserschutzgebieten" in Bayern.
Das gewohnte Bild des Wanderschäfers, der jedes Jahr das Pegnitztal östlich des Wörther Sees mit seiner Herde
aufsucht, gehört bald der Vergangenheit an. Der ganze Talraum liegt im Wasserschutzgebiet - Schutzzone II und dort
ist seit der Novellierung der Trinkwasserschutzgebietsverordnung eine Beweidung generell verboten.
Schäfer Fritz Imsch, der dort seit Jahren die Flächen mit seiner Schafherde hütet, teilt damit das Schicksal vieler
seiner Berufskollegen in Bayern. Einer Umfrage zufolge wurden in 11 Landkreisen bereits Schäfer aus
Wasserschutzgebieten verwiesen. In 16 Landkreisen können sie dort noch hüten. Weitere Verbote stehen im Zuge von
laufenden Aktualisierungen der Schutzgebietsverordnungen an.
Die strikte Verbotspraxis bereitet den Naturschützer großes Kopfzerbrechen. Für sie sind die Schäfer unersetzliche
Partner in der Landschaftspflege.
Die Agentur SandAchse hat nun die Betroffenen zu einer Fachtagung nach Nürnberg eingeladen. Rund 70 Experten der
Fachbereiche Gesundheits-/Verbraucherschutz, Landwirtschaft, Naturschutz und Wasserwirtschaft aus ganz Bayern waren
der Einladung der SandAchse Franken ins Gewerkschaftshaus nach Nürnberg gefolgt. Auftakt der Veranstaltung bildeten
sieben Fachvorträge, in denen die Sichtweisen aller Fachbereiche dargelegt wurden. Anschließend diskutierten die
Fachleute über mögliche Auswege.
Wie Dipl.-Ing. (FH) Petr Mlnarik von der Agentur SandAchse in seinem einleitenden Vortrag betonte, ist die
Wanderschäferei ein wichtiger Faktor für den Erhalt der Landschaft. Denn Schafe pflegen nicht nur, sie verbreiten
auf ihrer Wanderschaft auch Tiere und Pflanzen, und es wird in artgerechter Haltung Fleisch produziert. Die
Alternative zur Schafbeweidung wäre aus Sicht des Naturschutzes teueres Mähen mit anschließender Entsorgung des
Schnittguts. Die Beweidungsverbote verhindern somit die ökologisch wie ökonomisch sinnvolle Nutzung wertvoller
Lebensräume wie die Sandgebiet der SandAchse in den Talräumen von Pegnitz, Rednitz und Regnitz. Eine Sichtweise, die
von Naturschutzfachleuten aus ganz Bayern geteilt wird.
Für die Schäfer reiht sich das Beweidungsverbot in eine Reihe von bürokratischen Beschränkungen, die ihnen das
Wirtschaften erheblich erschweren. Herr Hofmann, Schäfereiberater beim Landwirtschaftsamt Ansbach gab den
Beschränkungen eine Mitschuld am steten Rückgang der Herdenschafhaltung in Mittelfranken.
Die Gesundheits- und Wasserwirtschaftsämter begründen die Beweidungsverbote mit vorsorgendem Schutz des Trinkwassers
vor mikrobiologischen Belastungen. Besonders gefürchtet wird ein gefährlicher Stamm der Coli-Bakterien, sog.
enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) , der durch Schafskot übertragen wird. Deshalb sei eine strenge
Handhabe des Beweidungsverbotes gerechtfertigt.
Die Beweidungsbefürworter sehen darin eine unbillige Härte und führen eine Reihe von Argumenten dagegen an. So seien
die Gebiete teilweise Jahrzehnte zuvor regelmäßig beweidet worden, ohne dass die befürchteten Probleme aufgetreten
seien. Wenn die Tiere außerhalb der Schutzgebiete gepfercht werden, könne die Kotabgabe im Gebiet auf ein Minimum
reduziert werden. Ansteckungen von EHEC-Bakterien seien meldepflichtig und kämen nur in bestimmten Gebieten Bayerns
vor. Beweidungsverbote seien dort sinnvoll, wo Schafe in Kontakt mit den gefährlichen Keimen kommen.
Bestärkt in ihrer Argumentation werden die Beweidungsbefürworter durch eine Untersuchung von 82
Trinkwassergewinnungsanlagen in Hessen. Wie Dr. Gebauer in seinem Vortrag betonte, fand sein Team keinen
Zusammenhang zwischen der Beweidung der Schutzgebiete und dem Vorkommen von Coli-Bakterien im untersuchten
Trinkwasser.
Am Ende der lebhaft geführten Diskussion wurde beschlossen, im Projektgebiet der SandAchse Franken konkrete Fälle zu
benennen, in denen eine Beweidung trotz Verbot aus naturschutzfachlicher Sicht notwendig wäre. Die Vertreter der
Wasserwirtschafts-/Gesunheitsämter haben zugesagt, jeden Einzelfall zu prüfen und gegebenenfalls
Ausnahmegenehmigungen zu erteilen.
Die dauerhaft nachhaltige Nutzung der Sandgebiete ist eine von verschiedenen Strategien, die im
Naturschutzgroßprojekt SandAchse Franken verfolgt werden, um die letzten vebliebenen Sandlebensräume zu erhalten und
zu vernetzen. Die SandAchse ist eine Allianz aus sieben Landkreisen, fünf kreisfreien Städten und den drei
Trägerverbänden Bund Naturschutz (BN), Deutscher Verband für Landschaftspflege (DVL) und Landesbund für Vogelschutz
(LBV). Mehr Information über das Projekt gibt es im Internet unter www.sandachse.de.
gez.
Petr Mlnarik
Agentur SandAchse
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